Endlich haben wir es geschafft. 3,5 Jahre hatte es gedauert, doch nun hat es endlich geklappt, meine Freundin Zsófia und ich haben uns in ihrer Heimat Sopron in Ungarn wiedergesehen. Da ich noch nie in Ungarn war, war ich gleich doppelt aufgeregt. Eine neue Sprache, Kultur, Küche und vor allem neue Leute erwarteten mich. Eine Woche lang habe ich neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, sodass mein Fernweh zumindest für kurze Zeit in Vergessenheit geriet.

Kurzreise nach Ungarn

Zsófia und ich lernten uns zuerst Online über zwei gemeinsame Freundinnen kennen und trafen uns schließlich bei einer Science-Fiction Convention in London Ende Februar 2012, auf der Chevron 7.8, einer Veranstaltung für Fans der Serie Stargate. Obwohl wir uns erst wenige Monate kannten, beschlossen wir nach der Convention noch drei Tage lang London unsicher zu machen und teilten uns sogar das Hotelzimmer. Wir verstanden uns fantastisch und so verwandelte sich unsere Beziehung von einer Online-Bekanntschaft zu einer echten Freundschaft. Natürlich blieben wir nach unserer London-Reise in ständigem Kontakt, jedoch sollte es einige Jahre dauern, bis wir uns endlich wiedersehen, denn die Uni, unsere Jobs, aber auch die Finanzen haben es uns reichlich schwer gemacht unsere Pläne in die Tat umzusetzen.

Da ich letztes Jahr einen neuen Job bekommen habe und unsere Chefs sehr flexibel bei der Urlaubsplanung sind, stand einem Treffen in diesem Jahr so gut wie nichts mehr im Wege. Da die Finanzen immer noch recht knapp bemessen waren, entschied ich mich für die billigste aber dennoch recht komfortable Anreiseoption, den Fernbus. Zwar dauerte die Anreise dadurch insgesamt 12 Stunden, statt beispielsweise lediglich 1,5 Stunden Flug und 1,5 Stunden Zug fahren, dafür habe ich aber auch gleich noch ein wenig von Dresden, Wien und auf dem Rückweg sogar noch etwas vom Erzgebirge gesehen. Diese Reiseziele muss ich definitiv irgendwann noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Meine Bucketliste wächst ständig und somit auch mein Fernweh, denn momentan scheitert es oft an der Umsetzung der Reisen.

Mit 20 Urlaubstagen im Jahr bleibt nicht viel Zeit, um wirklich viel zu reisen, wobei ich mit dem Aufbau von Überstunden immerhin noch 2-3 Tage mehr herausholen kann. Damit die Reisepläne nicht an der Urlaubskasse scheitern, habe ich mir einen Spartipp überlegt, den ihr ebenfalls auf unserem Blog finden könnt.

Ungarn, here I come!

Nach einer Nacht im Bus und einer weiteren Stunde Zugfahrt kam ich endlich in Sopron an. Dort erwartete mich Zsófia bereits und ging als erstes mal mit mir einkaufen. Wir brauchten zum Beispiel für unser typisch ungarisches Mittagessen, Túrós tészta, oder auch Cottage Cheese Pasta die Zutaten. Ein sehr leckeres Gericht, das auch noch ganz einfach und schnell zuzubereiten ist. Des Weiteren kaufte Zsófia alle möglichen Speisen ein, die ich ihrer Meinung nach unbedingt probieren sollte. Auf der Liste standen unter anderem Túró Rudi, ein Schokoriegel mit Quarkfüllung und Kakaós csiga, eine Schokoschnecke aus Blätterteig.

In der kommenden Woche sollte ich noch zahlreiche weitere ungarische Spezialitäten probieren. Obwohl sie allesamt total lecker waren, haben sich doch einige Favoriten hervorgetan. Da ich euch diese Leckereien keinesfalls vorenthalten will, habe ich für euch ein kleines Album am Ende dieses Beitrags zusammengestellt.

Gewohnt haben wir in Zsófias Elternhaus, am Stadtrand von Sopron. Das Haus wirkte von außen sehr modern und überraschte im Inneren mit einer traditionellen Einrichtung. Das hatte definitiv sehr viel Charme, ebenso wie der riesige Garten, der das Haus umgab.

Die wunderschöne Sonnenterrasse an Zsófias Haus.

Die wunderschöne Sonnenterrasse an Zsófias Haus.

Zsófia wohnt jedoch nicht alleine in diesem riesigen Haus. Neben ihrem Verlobten Tamás und ihren Eltern haben hier auch noch einige Tiere ein tolles Zuhause gefunden. Darunter sind Macs die Katze, die beiden Hunde Tapi und Tusci sowie die beiden Schildkröten Tequila und Vucli. Da ich Tiere über alles liebe, war das ein weiterer Pluspunkt während meiner Reise.

Drei von Zsófias Haustieren.

Drei von Zsófias Haustieren.

Unser erster Ausflug führte uns nach Harka, wo Zsófia ihr Pferd, Csacsi untergebracht hatte. Ein Traum von einem Pferd. Trotz der Hitze musste Csacsi trainiert werden, wovon sie überhaupt nicht begeistert war. Sie hat sich jedoch trotzdem sehr wacker geschlagen. Auf dem Pferdehof gab es noch zahlreiche andere Pferde. Eines davon war besonders liebebedürftig und somit habe ich nicht lange gezögert und mit dem Pferd erst einmal ein wenig geschmust.

Dieses Pferd war sehr schmusebedürftig.

Dieses Pferd war sehr schmusebedürftig.

Ein Märchenschloss in Fertöd

Unser nächster Ausflug führte uns ins etwa 25 Kilometer entferne Fertöd, genauer gesagt zum Schloss Esterháza. Betreten konnte man das Schloss nur mit einem Führer, und da die deutsche sowie englische Führung noch in weiter Ferne lagen, machten wir die ungarische Führung mit. Da ich natürlich kein Wort verstand, übersetzte Zsófia fleißig für mich die wichtigsten Informationen ins Englische. Die bekam der Schlossführer mit und reichte mir eine Beschreibung aller Räume in englischer Sprache, was die gesamte Sache wesentlich erleichterte. Ich war unglaublich angetan von all den historischen Daten und Fakten, die dieses Schloss betrafen, ebenso wie von der gesamten Architektur und Einrichtung der Räume. Das hatte schon etwas Märchenhaftes. Aber seht doch einfach selbst …

Schloss Esterháza

Na, habe ich zu viel versprochen? Sag ich doch! 😉

Nach der Führung haben wir noch den Schlossgarten erkundet. Die vielen kegelförmigen Büsche forderten uns praktisch dazu auf, ein lustiges Photoshooting zu machen. Dabei ist immerhin auch ein normales Bild von uns entstanden. 😀

Im Garten des Schlosses Esterházy mit Zsófia.

Im Garten des Schlosses Esterházy mit Zsófia.

Das Felsentheater von Fertörákos

Nach dem märchenhaften Besuch im Schloss Esterháza ging es weiter zum imposanten Felsentheater von Fertörákos, welches sich in einem alten Steinbruch befand. Die Attraktion war erst seit Juni nach enormen Umbauarbeiten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Bald sollte hier ein Theaterstück aufgeführt werden, doch momentan war noch die Hai-Ausstellung Anziehungspunkt für die meisten Besucher. Die ausgestellten Gebisse und Haie waren gigantisch. Ich hoffe wirklich, dass ich niemals einem echten Hai begegnen werde. Da ich meistens das Meer meide und eher ein Pool-Mensch bin, wenn es ums Baden geht, stehen die Chancen da eigentlich recht gut. ^^

Felsentheaters in Fertörákos.

Felsentheaters in Fertörákos.

Irgendwann verließen wir wieder die kühlen Gemäuer des Felsentheaters und begaben uns in luftige Höhen, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die Region hatten. Sogar den Neusiedler See, der nur wenige Kilometer entfernt lag, war gut sichtbar. Und eben weil der See so nah war, haben wir noch einen kleinen Umweg dorthin gemacht, um unsere Füße ins kühle Nass zu tauchen und um einfach den wunderbaren Anblick zusammen zu genießen. Der Neusiedler See liegt zwar zum größten Teil in Österreich, doch ein kleiner Teil liegt auch in Ungarn. Auf Ungarisch heißt der See übrigens Fertö tó.

Oberhalb des Felsentheaters in Fertörakos.

Oberhalb des Felsentheaters in Fertörákos.

Um der Hitze zumindest ein wenig zu entgehen, fuhren wir an zwei Tagen über die Grenze nach Ritzing in Österreich. Dort befand sich der Sonnensee, ein echtes Badeparadies, das ich nur jedem empfehlen kann, der sich entschließt mal in der Nähe Urlaub zu machen. Vor allem für Kinder wird hier viel geboten und aufgrund der Lage in einer Waldlichtung gab es genügend schattige Plätze und auch die Temperatur war überhaupt wesentlich angenehmer als in der Stadt.

Die Stunden vergingen hier wie im Fluge, aber das ist ja immer der Fall, wenn man wirklich Spaß hat. Es wurde gerutscht, gesprungen und getaucht und sogar unser Versuch einer kleinen synchronen Wasserballettsequenz glückte beim lediglich zweiten Anlauf.

Badeparadies Sonnensee bei Ritzing in Österreich.

Badeparadies Sonnensee bei Ritzing in Österreich.

Ein Streifzug durch Sopron

Sopron, die „Stadt der Türme“ oder auch das „Tor zur Freiheit“. Eine Stadt, die mit großer Gastfreundschaft sowie über 300 Zahnärzten lockt. Ich meine das ernst. In Sopron findet man an jeder Ecke eine Zahnarztpraxis und das gleiche gilt praktisch für Beauty-Salons. Friseur, Maniküre, Pediküre und Kosmetik sind hier oft in einem Laden zu finden. Da die Stadt praktisch von österreichischen (Tages-)Touristen überlaufen ist, müssen die Menschen hier Deutsch sprechen, wenn sie einen Job wollen.

Da ich auf mich allein gestellt war, weil Zsófia an zwei Tagen für ein paar Stunden arbeiten musste, ja genau, in einer Zahnarztpraxis 😉 fühlte ich mich sehr viel wohler mit dem Wissen, das die Menschen mich hier im Notfall verstehen. Zsófia hat mir versucht einige Worte ungarisch beizubringen, aber ich bin meistens kläglich gescheitert. Nicht ohne Grund zählt ungarisch zu den schwierigsten Sprachen der Welt.

Besonders schön war natürlich der Hauptplatz im Stadtzentrum, mit dem Feuerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, dem wunderschönen Rathaus und der imposanten Geißkirche. So verbrachte ich also einige Stunden, indem ich durch die Straßen und Gassen von Sopron schlenderte. Ich kann die Stadt wirklich nur jedem empfehlen. Sie bietet sich auch als Tagesausflug von Wien aus an, denn die österreichische Hauptstadt liegt gerade mal 60 Kilometer entfernt.

Sopron

Alles geht einmal zu Ende…

Der Tag meiner Abreise war gekommen, schneller als ich es wollte. Dies ist aber sicher ein Problem, das jeder von euch kennt. Bevor ich mich jedoch wieder in Richtung Heimat aufgemacht habe, sind wir auf einen Aussichtsturm in der Nähe von Zsófias Haus gestiegen, um noch einmal den Blick über die Stadt zu genießen.

Da sind wir hoch. o_o

Da sind wir hoch. o_o

Der Aufstieg war recht beschwerlich, dafür hat sich die Aussicht aber allemal gelohnt. Von dort oben kann man über die gesamte Stadt blicken und sogar den Neusiedler See am Horizont sehen. Da oben saß auch eine junge Frau mit einem Buch. Sie muss nur zum Lesen dort hochgekommen sein. Ein wirklich schöner und friedlicher Ort zum Lesen.

Ein genialer Blick über Sopron.

Ein genialer Blick über Sopron.

Beim Blick in die Ferne konnte ich meinen Gedanken freien Lauf lassen. Ich blickte zurück auf die fantastische Woche, die ich mit meiner Freundin verlebt hatte. Wir haben viele Gemeinsamkeiten, so zum Beispiel auch das Reisen. Auch sie leidet ständig unter Fernweh.

Damit wir nicht wieder 3,5 Jahre warten müssen, haben wir schon jetzt angefangen gemeinsame Urlaubspläne für nächstes Jahr zu schmieden. Großbritannien! Und falls das nichts wird, bleibt uns immer noch der Mai 2017, denn da hat Zsófia mich zu ihrer Hochzeit eingeladen und die werde ich auf keinen Fall verpassen. 🙂

Kurz vor dem Abschied.

Kurz vor dem Abschied.

Ungarn, ein kulinarisches Erlebnis

Wie versprochen habe ich im Anschluss auch noch ein kleines Album mit all den Leckereien zusammengestellt, die ich während der Woche probiert habe. Ich hätte gerne noch viel mehr gegessen, aber dann hätte ich noch mehr Zeit einplanen müssen. Da ich aber vor habe bald wieder nach Ungarn zu reisen, immerhin habe ich das hübsche Budapest noch immer nicht gesehen, werde ich mich bis dahin in Geduld üben und versuchen einige der Gerichte, die ich verspeist habe, nachzukochen.

Gasthaus Fehér Rózsa