Seit nunmehr 20 Jahren finden im Kufsteiner Land die Tiroler Festspiele Erl statt. Im Jahr 1997 von Maestro Gustav Kuhn ins Leben gerufen, zieht die Veranstaltung seit 1998 jedes Jahr Tausende Besucher an. So auch vom 06. bis 09. April während der Klaviertage 2017, mit zahlreichen hochbegabten Pianisten wie Mélodie Zhao, Davide Cabassi, Carlo Grande und Jasminka Stančul. Vier Tage, vier Konzerte – ein grandioses Erlebnis.

Mein neues Leben im Luftkurort Oberaudorf gefällt mir immer besser. Denn es gibt hier nicht nur zahlreiche Möglichkeiten seine Freizeit mit Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Skifahren und Baden zu gestalten, sondern hat auch kulturell einiges zu bieten. Lediglich 5 Kilometer entfernt, in der benachbarten österreichischen Gemeinde Erl, finden seit 1998 jährlich die Tiroler Festspiele statt. Weltweite Bekanntheit genießt der malerische Ort jedoch vor allem als ältester Austragungsort der Passionsspiele (alle 6 Jahre) im deutschsprachigen Raum. 

Was sind die Tiroler Festspiele Erl?

Die Tiroler Festspiele Erl sind eine 4-Wochen andauernde musikalische Veranstaltung, die seit 1998 jedes Jahr im Sommer stattfindet. Seit 2012 finden die Festspiele zudem auch im Winter statt, denn in diesem Jahr wurde das beheizbare Festspielhaus eröffnet. Zuvor fanden die Tiroler Festspiele Erl im Passionsspielhaus sowie einigen anderen Veranstaltungsorten in der kleinen österreichischen Gemeinde statt.

Während die Sommer-Saison üblicherweise am ersten Donnerstag im Juli beginnt, dauert die Winter-Saison vom 26. Dezember bis zum 06. Januar an. Die Tiroler Festspiele Erl bieten ein breites musikalisches Programm mit verschiedenen Inszenierungen und Produktionen wie Opern, Kammermusikabenden und Konzerten. Darunter sind zum Beispiel Werke von Wagner, Beethoven, Mozart und Verdi. Präsentiert werden diese großen Werke unter anderem von dem Orchester der Festspiele Erl unter der künstlerischen Leitung von Gustav „Gustl“ Kuhn sowie einer Vielzahl hochtalentierter internationaler Musiker. Rund 20.000 Besucher ziehen die Festspiele jeden Sommer in das Kufsteiner Land, im Winter sind es rund 10.000 Besucher. Ein wahrer Genuss für alle Liebhaber der klassischen und romantischen Musik.

Tiroler Festspiele Erl

Das beheizbare Winterspielhaus in Erl

Die Klaviertage im Festspielhaus Erl

Die Musik ist für mich ein wichtiger Teil des Lebens. Wenn ich gute Musik höre, geht mir das Herz auf und sogar Tränen bilden sich manchmal in meinen Augen. Ein Leben ohne Musik wäre für mich undenkbar. Vor allem klassiche Musik hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich könnte wunderbar nur mit Instrumentalmusik leben, Gesang brauche ich nicht unbedingt, dennoch gibt es auch einige Sänger, deren Stimme mich tief ergreifen. Zugegeben, theoretisch kenne ich mich mit Musik nicht sehr gut aus und ich habe auch leider kein sehr gutes Rhytmus- oder Taktgefühl, weshalb ich mich mit dem Erlernen von Instrumenten schwer tue. Ganz abgesehen davon, dass meine Fingermotorik das nicht hergibt. Zum Glück spielt dies beim Hören und Genießen von Musik keine allzu große Rolle.

Nachfolgend werde ich die vier Konzerte der Klaviertage Revue passieren lassen, und damit hoffentlich andere dafür begeistern, eine künftige Veranstaltung der Tiroler Festspiele Erl zu besuchen. Dieser Beitrag soll jedoch keine Kritik darstellen, sondern lediglich einen Erfahrungsbericht meinerseits.

Tag 1 der Tiroler Festspiele Erl – Auftakt: Die Klaviatoren (06.04.2017)

Als Auftakt der Klaviertage präsentierten die Tiroler Festspiele Erl 2017 eine bemerkenswerte Gruppe pianistischer Talente – die Klaviatoren. Nach einer ersten Begrüßung durch Hans Peter Haselsteiner führte schließlich Gustav Kuhn selbst durch das Programm. Dieses wurde mit einem vierhändigen Stück der beiden Pianisten Emanuele Lippi und Paolo Troian eröffnet. Sie spielten den „Marche militaire“ op. 51 D733 Nr. 1 in D-Dur.

Danach spielte Emanuele Lippi das Stück „Ideale“ von Francesco Paoli Tosti, welches durch den wunderbaren Tenorgesang Giorgio Valenta’s begleitet wurde. Ebenso effektvoll war anschließend Leonard Bernstein’sGlitter Be Gay„, eine Arie der Kunigunde aus der Comic Operette „Candide„, gesungen von Bianca Tognocchi und mit Paolo Troian am Klavier.

Als nächste betrat ein ganz besonderes Talent die Bühne: Mélodie Zhao, eine echtes Wunderkind. Die Schweizerin mit den chinesischen Wurzeln begann bereits mit 2 Jahren Klavier zu spielen und beendete ihren Bachelor of Arts in Musik mit nur 14 Jahren. Mit 20 Jahren wurde sie die jüngste Pianistin in der Musikgeschichte, welche die gesamten Pianosonaten von Ludwig Van Beethoven aufgezeichnet hat. Diese junge Künstlerin hat es mir mit ihrem Können und ihrer Leidenschaft am Klavier besonders angetan. Sie spielte zuerst Franz Schubert’s „Impromtu“ op. 90 Nr. 2 in Es-Dur und danach Fréderic Chopin’s Etüden Nr. 11 und Nr. 12.

Die darauffolgende Darbietung der „Teufelstriller-Sonate“ in G-Moll von Claudia Foresi (Klavier) und Yury Revich (Violine) war ein spektakuläres Erlebnis.

Nach der Pause spielte Davide Cabassi, ebenfalls ein echtes Wunderkind der Musik, ein Stück von Modest Mussorgsky aus „Bilder einer Ausstellung„. Diese Darbietung wurde gefolgt von Emanuele Scarramuzza’s Präsentation mit den 2 Studien „Fem“ und „Escalier du diable“ von György Ligeti.

Nachfolgend spielte noch einmal Mélodie Zhao die Ungarische Rhapsody von Franz Liszt, jedoch nicht die im Programm bekannt gegebene Nr. 6, sondern auf Wunsch von  Maestro Kuhn die Nr. 2. Danach gaben noch einmal der Violinist Yury Revich und die Pianistin Claudia Foresi ihr Können mit der Carmen Phantasie von Pablo de Sarasate zum Besten.

Den Abschluss des ersten Klaviertages bildeten die beiden Pianisten Emanuele Lippi und Paolo Troian, die mit ihrem Talent bereits das Programm des Abends einleiteten. Gespielt wurde Gabriel Fauré’sSouvenir de Bayreuth„.

Tag 2 der Tiroler Festspiele Erl – Pianisti Dell’Angelo (07.04.2017)

Am zweiten Abend präsentierten zwei außerordentlich pianistische Talente der Academia di Montegral ihr Können: Davide Cabassi und Jasminka Stančul. In Anlehnung an den Namen des Akademiesitzes nennen sie sich Pianisti dell’Angelo. Den Auftakt dieses Abends lieferte Davide Cabassi mit einem Stück von Robert Schumann, nämlich dem „Carnaval“ op. 9. Cabassi absolvierte eine Glanzleistung und spielte das gesamte Stück ohne Noten. In Anbetracht dessen, dass das Stück etwa 30 Minuten lang ist und aus 22 verschiedenen Charakterstücken/Miniaturen besteht, finde ich dies eine beeindruckende Leistung.

Nach der Pause verzauberte die serbische Pianistin Jasminka Stančul das Publikum mit ihrer Darbietung von Ludwig Van Beethoven’s  Klaviersonate Nr. 18 op. 31/3 in Es-Dur. Auch sie spielte ohne Noten und legte eine Glanzleistung ab, die mich zutiefst beeindruckte.

Krönender Abschluss des zweiten Abends war das Zusammenspiel von Cabassi und Stančul, vierhändig am Klavier. Sie spielten Franz Schubert’sDeux Marches caractéristiques“ in C-Dur op 121, D886. Die beiden Pianisten hatten eindeutig Spaß an ihrem Zusammenspiel, vor allem weil Herr Cabassi nicht nur ein geborener Pianist zu sein scheint, sondern auch ein geborener Entertainer. Somit war es auch für das Publikum eine wahre Freude den beiden beim Spielen zuzuhören und auch zuzuschauen.

Tag 3 der Tiroler Festspiele Erl – SIGNUM und Klavier (08.04.2017)

Am dritten Abend drehte sich alles um das Zusammenspiel zwischen Klavier und Saxophon, was hervorragend von dem deutschen Pianisten Michail Liftis sowie dem SIGNUM Saxophonquartett präsentiert wurde. Eingeleitet wurde dieser musikalische Abend mit einem Piano-Solo von Michail Liftis mit dem Stück Chaconne aus der Partita Nr. 2 in D-Moll von Feruccio Busoni. Ein wahrer Ohrenschmaus!

Danach wurde das Publikum mit einer Programmergänzung erfreut. Das SIGNUM Saxophonquartett, bestehend aus vier jungen Männern – Blaž Kemperle (Sopransaxophon), Erik Nestler (Altsaxophon), Alan Lužar (Tenorsaxophon) und Guerino Bellarosa (Baritonsaxophon) – gab das Stück „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel zum Besten.

Im Anschluss spielten Liftis und SIGNUM gemeinsam „Scheherazade“ von Nikolai Andrejewitsch Rimsky-Korsakow. Obwohl das Stück nicht für das Saxophon geschrieben wurde, aus dem einfachen Grund, dass es dieses Musikinstrument zu jener Zeit noch nicht gab, präsentierten die Musiker eine beeindruckende Inszenierung.

Nach der Pause ging es mit dem Stück „Lamentatio“ des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür weiter. Dabei wurden die individuellen Stimmen der verschiedenen Saxophone besonders deutlich.

Zum Abschluss wurde es schließlich mit dem Stück „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin etwas moderner, als Liftis und SIGNUM wieder gemeinsam spielten. Der Abend endete nach einer Zugabe von Michail Liftis sowie einer weiteren von SIGNUM.

Tag 4 der Tiroler Festspiele Erl – Klavier-Konzert: Matinee (09.04.2017)

Am vierten und letzten Tag der Klaviertage freue ich mich ganz besonders Mélodie Zhao wiederzusehen und vor allem zu hören. Diesmal wird sie vom Orchester der Tiroler Festspiele Erl begeleitet. Nach einer überaus ergreifenden Darbietung von Wolfgang Amadeus Mozart’s Klavierkonzert Nr. 21 in C-Dur, verzauberte uns die junge Künstlerin auf Bitten von Maestro Kuhn mit einer eigenen Komposition – ein chinesisches Stück, welches sie mit 15 Jahren komponiert hat. Grandios!

Nach einer etwa 25 minütigen Pause, stellte der italienische Pianist Carlo Grante sein Können mit dem Klavierkonzert Nr. 1 in C-Moll von Salomon Jadassohn zur Schau, wiederum begleitet vom Orchester der Festspiele Erl und unter der Leitung von Maestro Kuhn.

Der krönende Abschluss der Klaviertage war die „Egmont“ Overtüre op. 84 von Ludwig Van Beethoven, OHNE Klavier. Der Grund, so erklärte Maestro Kuhn sei, dass die Klaviernoten für diese Komposition sehr schwer zu bekommen sind, doch man arbeite daran. Insgesamt war die Darbietung des Orchesters ein echtes musikalisches Feuerwerk.

Fazit Klaviertage der Tiroler Festspiele Erl 2017

Alle Pianisten, aber auch die beiden Sänger, der Violinist wie auch das SIGNUM Saxophone Quartett haben eine wahre Glanzleistung abgelegt und das Publikum jeden Abend, beziehungsweise während der Matinee, vollends begeistert. Der rauschende Beifall nach jedem Stück war der eindeutige Beweis.

Die nächsten Konzerte die ich besuchen will lassen auch gar nicht lange auf sich warten, denn schon im Juli beginnt das Sommerprogramm der Tiroler Festspiele Erl. Fünf Tickets habe ich bereits, dank des Kammerkonzert-ABOs. Darunter sind Solo-Konzerte von Davide Cabassi, Mélodie Zhao und Jasminka Stančul sowie „Una Noche de Guitara“ und die Ring-Session. Ich bin gespannt!

Programm der Tiroler Festspiele Erl

Das Programm der Tiroler Festspiele Erl für die Sommer- und Winter-Saison