Leichtes Gepäck? Kann es sein, dass ich das verlernt habe? Früher brauchte ich nicht mehr als eine Zahnbürste und frische Unterwäsche, schon konnte es losgehen. Egal wie weit, egal wohin, mehr als einen kleinen Rucksack brauchte ich nie. Heute sieht das mit Handgepäckskoffer, Reisetasche und Hartschale ganz anders aus. Doch damit ist jetzt Schluss. Jetzt geht es zurück zur tragbaren Leichtigkeit des Seins.

Reisen im Wandel der Zeit (kein leichtes Gepäck…)

Meine persönliche Entwicklung lässt sich anhand der Wahl meiner Gepäckstücke sehr gut zurückverfolgen. Zu dieser schockierenden Einsicht kam ich vor ein paar Tagen. Würde ich meine Reiseutensilien von einst mit den Koffern und Taschen von heute gegenüberstellen, käme niemand auf den Gedanken, dass dahinter ein und dieselbe Person steckt. Aber nun erstmal ganz der Reihe nach.

„Zeig mir dein Gepäck und ich sag dir, wer du bist“

„Die Entdeckung“ oder „Der Koffer des Grauens“

Wie ihr ja wisst, bin ich so oft es geht irgendwo unterwegs. Zuletzt habe ich einen sehr entspannten Wellnessurlaub in Meißen gemacht, davor erkundete ich das Elbsandsteingebirge der Sächsischen Schweiz. Ich liebe es, wenn ich großartige Reiseziele meiner Umgebung entdecken kann. Man sollte meinen, dass jemand, der gerne reist, eine gewisse Routine beim Kofferpacken entwickelt – das dachte ich auch von mir. Doch ich wog mich in falscher Sicherheit…

Jetzt war es wieder so weit, ein neuer Wochenendausflug stand uns bevor und fröhlich beschwingt packte ich unsere Siebensachen. Ich schaltete die Musik ein, hopste unbeschwert zwischen den Zimmern umher und bestückte Reisetasche und Co. mit allem, was eben so dazugehört. Der Gepäckberg wuchs dabei in unerhörte Höhen. Doch dann geschah es.

„Das Blut lief mir aus dem Kopf in die Beine und ich drehte die Musik noch lauter…“

Der feine Gesang von Stefanie Kloß ließ mich innehalten und schließlich brachte der Songtext einen Knoten in mir zum Platzen, der da wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten heimlich gelauert hat. Mit einem Mal wurde mir das ganze Ausmaß der Veränderung bewusst. Vor mir lagen zwei große Reisetaschen, ein kleiner Koffer und noch zwei weitere Beutel. Klar, ich packe heute nicht mehr nur für mich allein, trotzdem hätte ich mir vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen können, dass ich eines Tages einen ganzen Kofferraum benötigen würde, um ins Wochenende fahren zu können. Das was da vor mir lag, hatte rein gar nichts mehr mit leichtem Gepäck zu tun. Was war nur geschehen?


Silbermond bringts mal eben auf den Punkt und hat mir die Augen geöffnet 😉

Leichtes Gepäck – damals der Inbegriff meiner Reiselust

Mein Studium liegt noch keine drei Jahre zurück, es kann also noch nicht so lange her sein, dass ich meine Reisen mit wenig Gepäck hinbekommen habe. Mit einer sehr lieben Freundin (ja, die mit den besten Keksen der Welt) flog ich spontan nach Barcelona. Wir übernachteten bei Ingmar, natürlich als Couchsurferinnen, denn chronisch verarmte Studentinnen kommen gar nicht anders unter. Übrigens: Couchsurfing ist eine tolle Möglichkeit kostenlos zu verreisen und man lernt super tolle Menschen rund um den Globus kennen. Über meine Erfahrungen zum Couchsurfing hatte ich letztens berichtet.

Handgepäck so leicht wie möglich!

Das Reiseziel an sich war mir damals gar nicht so wichtig, ich wollte nur immer etwas Neues sehen und erleben, Erfahrungen machen, die ich noch nicht kannte. Also gönnte ich mir den Luxus, einfach nach besonders günstigen Flügen zu schauen und das wars. Für 15 Euro nach Barcelona, für 20 Euro nach Mailand… was will man mehr? Einziger Haken: Das Handgepäck. Die günstigen Flüge gab es nur, wenn man nicht mehr als das Handgepäck bei sich trug.

„Ein zusätzlicher Koffer war manchmal 3x so teuer wie der gesamte Flug!“

Natürlich unterlag das Handgepäck strengen Auflagen. Es mussten die genauen Koffermaße eingehalten werden und wehe die Tasche passte bei der Gepäckabfertigung nicht in die Box! Was lief mir manchmal der Angstschweiß, wenn ich fürchtete, der Rucksack könnte doch zu groß sein.

Doch noch kritischer als die Maße für die Taschen und Koffer war das Gewicht. Dieses war natürlich deutlich begrenzt und nur besonders leichtes Gepäck durfte als Handgepäck deklariert werden. Das hat sich bis heute übrigens kaum geändert. Bei Ryanair darf das Handgepäck nicht mehr als 10 kg wiegen! Doch ich brauchte nicht viel. Je nach Reisedauer reichte mir manchmal schon ein kleiner Rucksack vollkommen aus. So lange ich eine Zahnbürste hatte, war alles in Ordnung.

Hier gelernt: Leichtes Gepäck auf dem Jakobsweg

Nach meinem Abitur entschloss ich mich spontan den Jakobsweg in Spanien zu laufen, 300 km wollte ich schaffen. Ich ging ziemlich blauäugig an die Sache heran. Hatte weder geeignete Schuhe, noch sonst irgendetwas, was man auf einer längeren Wanderung dringend braucht. Doch eines wusste ich genau. Ich brauche einen besonders leichten Rucksack! Ich suchte mir im Netz eine Checkliste und packte tatsächlich nur das Nötigste ein. Am Ende wog mein Rucksack zarte 6 kg, inklusive 1 Liter Wasser. Das kann man tragen. So überstand ich die Wochen auf den Jakobsweg bestens und habe mein Ziel gut erreicht. Auf dem Weg habe ich sogar noch einige Teile weggeschmissen. Seitdem reiste ich immer mit ganz leichtem Gepäck und war rundum zufrieden!

Jakobsweg leichter Rucksack

Fast schon historisch dieses Bild: 2007 brauchte ich auf dem Jakobsweg nur ganz wenig Gepäck.

Vom Rucksack zum Koffer: Wie ich die Seiten wechselte

Mit leichtem Gepäck zu reisen, klappte nur so lange, wie ich auch allein reiste. Heute bin ich meistens mit Mann und Kind unterwegs – und für alle packe ich die Taschen (weil Mami das eben am besten kann 😉 )! Dabei ist anscheinend viel von der Babyzeit hängengeblieben, denn so ein kleiner Fratz braucht echt eine ganze Menge Zeug.

„Je kleiner der Reisegast, desto schwerer das Gepäck!“

Windeln, Ersatzklamotten, Milchpumpe, was zum Spielen, was zum Einschlafen, Mückenschutz, Lichtschutz, Regenschutz – unfassbar, was so ein kleiner Mensch alles im Alltag benötigt. Mein kleiner Studentenrucksack kam da ganz schnell an seine Grenzen und platzte schließlich buchstäblich aus allen Nähten. Also griffen wir schnell zum Koffer, zur Reisetasche und zur super komfortablen (weil so schön geräumig) Strandtasche.

kein leichtes Gepäck

Heute geben die Kleinsten den Ton an: Wenn wir auf Reisen sind, kommt der halbe Hausstand mit.

Von heut auf morgen, so kam es mir vor, hatte sich das Thema „leichtes Gepäck“ aus meinem Leben verabschiedet. Reisen ohne Gepäck wurde sogar komplett gestrichen. (Ja, auch das kam in Nacht-und-Nebel-Aktionen vor.)

„Die Umstellung störte mich nicht, sie passte sich nur meinem Leben an.“

Ich muss dazu sagen, dass ich mit der neuen Reisesituation alles andere als unzufrieden war. Ich bin stolze Mama und freue mich riesig, dass meine Tochter meine Reiselust geerbt hat. Die vielen Taschen und Koffer waren ja nur ein Zeichen für die neue Lebenssituation und passten deshalb auch hervorrangend zu mir.

Es wird leichter: ein neuer Abschnitt beginnt

Inzwischen wird meine Tochter bald fünf Jahre alt (Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht!!!), ihren Rucksack packt sie heute selbst – und trägt ihn auch. Die Babyzeit ist vorbei und es wird Zeit, sich erneut den aktuellen Lebensbedingungen anzupassen. Die riesigen Koffer verbanne ich jetzt erstmal in den Keller, mein Rucksackreiseleben hat mir nämlich ausgesprochen gut gefallen. Jetzt folgt das „Leichte-Gepäck-Revival“! Fehlt nur noch ein neuer Rucksack für mich. Ich habe schon ein bisschen was bei Amazon und Ebay verglichen, soll ja nicht irgendwas sein. Auch Netzshopping kommt wieder infrage, die haben schöne Taschen. Und irgendwo schwirrt auch noch der Zalando-Gutschein rum… tja, wer die Wahl hat… Mit der Entscheidung werde ich mir nicht allzu lange Zeit lassen, denn immerhin steht die nächste Reise schon vor der Tür! Hauptsache leicht, leichter, luftigleicht.

Und die Zukunft?

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Ich bin mit leichtem Gepäck gereist, ich bin mit einer Wagenladung voller Koffern gereist – beide Varianten waren ihrer Zeit angemessen. Wenn ich die Wahl habe, so wünsche ich mir, dass wir wieder mehr zu Rucksackreisenden werden. Denn so viel braucht es doch gar nicht und mal ehrlich, das meiste gibt es doch vor Ort. In einen Rucksack passt alles, was man zum Glücklichsein braucht. Ach übrigens, das gilt nicht nur für das Reisegepäck 😉

„Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ -Silbermond

Wie seht ihr das? Was nehmt ihr mit auf Reisen und wann ist viel Gepäck zu viel Gepäck?