Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu gehen und so die Welt von einer neuen und spannenden Seite zu entdecken. Neben Work and Travel, einem High School Jahr, einer Sprachreise oder einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) liegt auch der Aufenthalt als Au pair ganz weit oben auf der Liste vieler junger Menschen.

Hier erfahrt ihr, welche Vorteile ein Aufenthalt als Au pair hat, welche Voraussetzungen es gibt und welche Aufgaben als Au pair überhaupt auf euch warten. Am Ende findet ihr schließlich einen Bericht über meine eigenen Erfahrungen als Au pair. Viel Spaß beim lesen!

Au pair – Was ist das?

Der Begriff “Au pair” kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie “auf Gegenseitigkeit”. Es handelt sich dabei um junge Menschen, meist junge Frauen, aber auch immer mehr junge Männer, die für eine bestimmte Zeit mit einer Gastfamilie zusammenleben und die Kinderbetreuung übernehmen. Für die Betreuung der Kinder bekommt man neben Kost und Logis auch noch ein wöchentliches Taschengeld, dass je nach Land und Absprache unterschiedlich ausfallen kann. Es gibt jedoch gewisse Richtlinien, die dabei eingehalten werden müssen.

So gibt es immer mal wieder Diskussionen, dass Au pairs nur billige Nannys oder Haushaltshilfen sind. Ganz ehrlich, das habe ich damals auch gedacht, doch das stimmt so nicht. In den USA müssen die Gasteltern zum Beispiel ziemlich hohe Gebühren bezahlen, nur für die Aufnahme als potentielle Gastfamilie und die Vermittlung. Sobald sie sich für ein Au pair entschieden haben, bezahlen die Gasteltern für den kompletten Transfer des Au pairs sowie das Hotel bei der Orientation in New York (dazu später mehr). Zudem hat sich in den letzten Jahren das wöchentliche Taschengeld erhöht. Lag dieses zuerst noch bei $139, erhöhte es sich zuerst auf rund $158 und liegt jetzt sogar bei $195,75. Das sind über $10.000, die euch zur freien Verfügung stehen! Um Miete, Strom, Heizkosten, Lebensmittel und Versicherungen braucht man sich nämlich keine Gedanken machen. Ihr könnt damit eure Freizeit gestalten, Shoppen oder Reisen.

Wer Au pair werden möchte, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es sich dabei um einen verantwortungsvollen Job handelt und nicht einfach nur um ein Abenteuer. Ein Au pair Jahr, so kann ich jedoch aus eigener Erfahrung berichten, ist ein unvergessliches Erlebnis. Ich würde es jederzeit wieder machen!

Brooklyn Bridge New York

Als Au pair die Welt entdecken

Während ein Aufenthalt als Au Pair in den USA besonders beliebt ist, gibt es jedoch auch die Möglichkeit in viele andere Ländern zu gehen. Ganz egal, welches Land euch fasziniert, Au Pairs werden auf der ganzen Welt gesucht – Schweden, Großbritannien, Irland, Indien, Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Norwegen, Australien, Neuseeland, Brasilien, uvm. Die Welt liegt euch zu Füßen, ihr müsst die Gelegenheit nur ergreifen!

Au pair werden – Die Vorteile

Wer als Au pair ins Ausland geht, bekommt eine Reihe von Vorteilen geboten. Im Folgenden habe ich eine kleine Liste für euch zusammengestellt.

Als Au pair…

  • habt ihr die Möglichkeit, ein neues Land sowie neue interessante Menschen kennenzulernen
  • lernt ihr die Kultur des euch gewählten Landes hautnah kennen, mitsamt Festen, Feiertagen und landestypischen Traditionen
  • vertieft ihr eure Sprachkenntnisse enorm, da ihr tagtäglich mit den Einheimischen kommuniziert
  • lernt ihr Au pairs aus anderen Ländern kennen und könnt internationale Freundschaften schließen
  • sammelt ihr Auslandserfahrungen, die sich später besonders gut auf eurem Lebenslauf machen
  • erweitert ihr euren Horizont und erlangt ein besseres interkulturelles Verständnis
  • erobert ihr die Herzen der Kinder, die ihr betreut und bereichert damit auch deren Welt

 

Internationale Au pairs

Für jeden einzelnen gibt es sicher noch zahlreiche weitere, persönliche Vorteile. So hatte ich beispielsweise keine Ahnung, was ich nach meinem Au pair Jahr machen sollte. Wollte ich studieren oder eine Ausbildung machen? Ich wusste es einfach nicht. Während meines Aufenthaltes habe ich dann jedoch die Möglichkeit bekommen einen College-Kurs zu belegen. Nach einigen Überlegungen hatte ich mich für einen Kulturanthropologie-Kurs entschieden. Dieser hat mir so viel Spaß gemacht, dass schnell für mich feststand, ich möchte in diese Richtung studieren und das habe ich letztendlich auch getan. Heute besitze ich einen Master in Anglistischer Kulturwissenschaft. Ich habe also meine Liebe für fremde Kulturen und die englische Sprache in einem Studium verbunden :-)

Die Aufgaben eines Au pairs

Die Aufgaben als Au pair sind sehr vielseitig und orientieren sich vor allem am Alter der Gastkinder, ihren Hobbies sowie der Lebensweise der Gastfamilie.

Interessenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass es nicht nur die klassische Familien-Konstellationen mit Mutter-Vater-Kind/ern gibt, sondern auch alleinerziehende Väter oder Mütter sowie homosexuelle Paare. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass entweder beide Elternteile arbeiten und auf die volle Unterstützung des Au pairs in der Kinderbetreuung bauen oder aber das nur ein Elternteil arbeitet und man der Mutter zum Beispiel nur etwas unter die Arme greifen soll, um sie etwas zu entlasten.

Zu den typischen Aufgaben eines Au pairs zählen unter anderem: die Kinder für die Schule fertig machen, Mahlzeiten zubereiten, bei den Hausaufgaben helfen, bei der täglichen Hygiene unterstützen, Kinderzimmer aufräumen, die Wäsche der Kinder waschen und zusammenlegen, die Kinder zu ihren Freizeitaktivitäten bringen (z.B. zur Tanzschule, zum Fußball-Training, zu Playdates mit Freunden), Playdates arrangieren und vor allem mit den Kindern spielen, entweder Zuhause oder auch auf dem Spielplatz.

Au pair in den USA

Besonders wichtig ist, dass ihr für die Sicherheit der Kinder verantwortlich seid! Darauf verlassen sich die Eltern, wenn sie ihre Kinder in eurer Obhut lassen.

Weiterhin ist zu beachten, dass, auch wenn ihr als Familienmitglied aufgenommen werdet, ihr Gast in deren Zuhause seid. Deshalb sollte man sich auch an die Regeln der Gasteltern halten und sie immer mit Respekt behandeln!

Au pair werden – die Voraussetzungen

Je nachdem welches Land ihr euch aussucht und ob ihr euren Aufenthalt als Au pair selbst organisiert oder die Hilfe einer Agentur in Anspruch nehmt, gibt es verschiedene Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Wer in die USA gehen möchte, bekommt zum Beispiel nur über eine zertifizierte Agentur das benötigte J1-Visum. Innerhalb Europas kann man sich auf verschiedenen Webseiten auch selber eine Gastfamilie suchen, jedoch hat man mit einer Agentur gewisse Sicherheiten (Versicherungen, Arbeitsvertrag, Freizeit-/Urlaubsanspruch) und im Notfall einen kompetenten Ansprechpartner. Zudem kümmert sich die Agentur um einen reibungslosen Bewerbungsprozess und arrangiert den Transfer zur Gastfamilie.

Folgende Voraussetzungen solltet ihr erfüllen:

  • Freude an der Betreuung von Kindern
  • Alter: 18 bis 30 Jahre (in den USA maximal 26 Jahre)
  • nachweisbare Kinderbetreuungserfahrung
  • im Besitz eines Führerscheins sein (in den USA Pflicht)
  • in der Lage sein, mit deiner Gastfamilie auf alltäglicher Basis zu kommunizieren
  • ledig sein und keine eigenen Kinder haben
  • ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen
  • mindestens einen mittleren Schulabschluss
  • die Visumsanforderungen des jeweiligen Gastlandes erfüllen
  • außerhalb Europas wird ein gültiger Reisepass benötigt
  • gesund sein und nicht rauchen (letzteres ist nicht Pflicht aber von Vorteil)

 

Au pair in den USA

Ein Jahr als Au pair in den USA – mein ganz persönlicher Erfahrungsbericht

Für mich stand bereits früh fest, ich möchte einmal in den USA leben. Ein High School Jahr kam aus finanziellen Gründen leider nicht in Frage, aber ein Au pair Jahr war für mich die perfekte Gelegenheit diesen Traum zu verwirklichen. Schon in jungen Jahren habe ich viel Erfahrung in der Kinderbetreuung gesammelt. Da meine Mutter selbst Erzieherin ist, war ich in den Ferien oft im Kindergarten und habe in den Gruppen geholfen. Mein Schulpraktikum habe ich selbstverständlich auch im Kindergarten gemacht. Mit 16 habe ich dann zum ersten Mal in einem Ferienlager gearbeitet und dort eine Gruppe von Kindern betreut. In den darauffolgenden zwei Jahren habe ich diese Erfahrung wiederholt.

Die Bewerbung

Während meines letzten Schuljahres habe ich mich endlich bei einer Au pair Agentur beworben. Das war 2007! Nachdem alle Unterlagen eingereicht und geprüft waren, wurden diese an die Agentur in den USA weitervermittelt und dort den Gastfamilien zur Wahl gestellt. Nun hieß es warten, bis sich eine Familie für meine Bewerbung interessierte.

Zuerst hat sich eine Familie aus Texas mit 4 Kindern für meine Bewerbung interessiert, sich dann jedoch für jemand anderen entschieden. Einige Zeit später bekam ich eine E-Mail von einer anderen Gastfamilie, die sich für mich interessierte. Nach einigen E-Mails haben wir schließlich einen Termin für ein persönliches Telefongespräch vereinbart. Am Abend des 15. April 2007, einen Tag vor meinem Mathe-Abitur, war es dann soweit, meine Gastfamilie rief an. Ich war sehr nervös, denn das ganze Telefongespräch war ja auf Englisch. Nach etwa 2 Stunden waren wir uns schließlich einig und entschieden uns füreinander. Ich war super glücklich!

Nun galt es der Agentur Bescheid zu geben, sich um das Visum zu kümmern und das Abitur erfolgreich abzuschließen! ^^ Ab Juli 2007 würde ich für ein Jahr auf 3 Kinder, im Alter von 6, 8 und 9 Jahren aufpassen.

Die Orientation in New York

Am Montag, den 16. Juli 2007 war es schließlich soweit, der Start in mein neues Leben in den USA. Trotz all der Vorfreude flossen am Flughafen die Tränen, denn es galt sich von meiner Mama, meiner Oma und meinem kleinen Bruder für ein Jahr zu verabschieden.

Zuerst ging es nach New York, zu einem 3-tägigen Vorbereitungs-Kurs (Orientation), bei dem wir noch einmal Erste-Hilfe Maßnahmen gelernt sowie viele wertvolle Tipps zur Kinderbetreuung und zum Leben in den USA bekommen haben. Am Donnerstag ging es dann weiter zur Gastfamilie. Während man während der Orientation noch mit anderen Au pairs aus dem eigenen Land zusammen blieb, lernte man spätestens am Flughafen die Au pairs aus anderen Ländern kennen, mit denen man in die gleiche Region flog – bei mir war dies Kalifornien, genauer gesagt, die San Francisco Bay Area.

Die Begrüßung durch die Gastfamilie

Auf dem Flug von New York nach San Francisco war ich super aufgeregt, denn bald würde ich meine Gastfamilie treffen. Schon vorab habe ich meinen Gastvater gefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich ihn zur Begrüßung umarmen würde. Gerne! :-)

In den letzten Monaten hatte ich mehrfach mit meinem Gastvater geschrieben, über Skype gesprochen und Bilder von den Kindern bekommen, aber eigentlich nie direkt mit den Kindern kommuniziert. Umso unvergesslicher ist für mich der Empfang durch die Kinder. Nachdem mich mein Gastvater am Gate abgeholt hatte, suchten wir meine Gastmutter und die Kinder, die am Flughafen etwas gegessen hatten, während sie auf meine Ankunft gewartet haben. Plötzlich liefen mir aus einiger Entfernung drei Kinder entgegen. Ich ließ einfach mein Gepäck zu Boden fallen, ging in die Knie und wurde liebevoll von allen dreien umarmt (und mit umarmt meine ich umgerannt ;-) ). Ich war das erste Au pair der Familie und die Kinder haben sich riesig auf mich gefreut. Was für ein wunderbarer Start!

Meine Top-Momente und Erinnerungen aus meinem Jahr als Au pair:

  • bereits am ersten Tag fuhr meine Gastmutter mit mir und den Kindern nach San Francisco – das Highlight, die Fahrt über die Golden Gate Brücke
  • die Familienausflüge (z.B. nach Disneyland, Lake Tahoe, Fischen mit den Boy Scouts,  und zum Monterey Bay Aquarium)
  • die Familienfeste (die Geburtstage, Halloween, Thanksgiving, Weihnachten, die Graduation meiner Gastmutter) – das Highlight, Trick or Treat zu Halloween, wo mein ältestes Gastkind allen Nachbarn erzählt hat, ich sei sein Au pair aus Deutschland und wir würden kein Halloween feiern, damit ich auch Süßigkeiten bekomme :-)
  • die zahlreichen Schulveranstaltungen, bei denen meine Kinder aufgetreten sind (hach, was habe ich da vor stolz immer für Tränen vergossen)
  • die zahlreichen Abenteuer, die ich mit den Kindern auf dem Spielplatz oder auch auf der Couch (die hat als unsere Zeitmaschine gedient) erlebt habe
  • die lustigen Geschichten, die ich mit den Kindern verfasst habe und die ich heute noch auf meinem Computer habe (z.B Sleepover Party und Trip to Tomato Land)
  • die vielen Abende, an denen mein Gastvater den Kindern aus den Harry Potter Büchern vorgelesen hat und wir alle zusammen auf dem Bett lagen und ihm zugehört haben
  • die vielen Zeichnugen, die meine Jüngste immer für mich gemalt hat und die ich am Ende leider nicht alle mit zurücknehmen konnte 
  • Charlie, der Hund meiner Gastfamilie, der mich abgöttisch geliebt hat und immer auf oder direkt neben mir lag
  • Shamrock, der Nymphensittich, der uns immer mit seinem Gesang erfreut hat und sich gerne im Nacken hat kraulen lassen
  • die wunderbaren Freundschaften, die ich geschlossen habe, auch wenn mittlerweile nicht mehr alle davon existieren – ich möchte jedoch meinen Forever Friends danken: Sarai, Lenka, Nathalia und Melodie :-)
  • die großartigen Wochenenden in San Francisco (mit Shopping, Cable Car fahren und sogar einer Limousinen-Fahrt… VIP-Feeling inklusive)
  • die unzähligen Male, in denen ich mit meinen Freundinnen im Auto laut zu Air Supply mitgesungen habe -unvergesslich!

Au pair in den USA

Mein Fazit!

Sicher gab es während des Jahres nicht nur positive Momente. Es kam auch mal zur Streitereien, Missverständnissen und Diskussionen. Immerhin war ich das erste Au pair, es gab kulturelle Unterschiede und mit 19 Jahren war ich auch noch relativ naiv. Nichtsdestotrotz habe ich auch heute noch Kontakt zu meiner Gastfamilie. 2009 habe ich meine Gastfamilie noch einmal besucht. 2011 waren meine Gasteltern in Deutschland und wir haben zusammen das Oktoberfest unsicher gemacht. 2014 haben wir uns alle für eine Woche in Stockholm wiedergesehen. Nächstes Jahr plane ich sie endlich wieder in Kalifornien zu besuchen.

Es ist schon komisch, wenn die Gastkinder in der Ferne erwachsen werden. Mein ältestes Gastkind ist mittlerweile so alt wie ich damals war, als ich bei ihnen gelebt habe. Nun schwelge ich abermals in Erinnerungen, denke an diese Zeit zurück und vermisse sie!

Danke fürs Lesen! Wenn ihr noch Fragen zum Thema Au pair oder meinen Erfahrungen habt, zögert nicht mich zu fragen und hinterlasst mir einen Kommentar. Ich freue mich von euch zu hören, sehr gerne auch von euren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema!