Es reicht. Dass eine einzige Woche derart furchtbar sein und mir tatsächlich den allerletzten Nerv rauben könnte, hätte ich nie gedacht. Dass sie nicht beinahe mit einem Mord, Tatwaffe Gurkenschäler, geendet hatte, verdanke ich einem graugefiederten Seevogel.

Dieser Artikel enthält Werbung für den Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Seemöwe Mecklenburg-Vorpommern Warnemünde

Eine Möwe schritt in den Mordvorgang ein…

Doch jetzt erst einmal der Reihe nach. Was ist passiert, dass sich ein so sanftmütiges Wesen wie ich  plötzlich in ein Mordwaffen schwingendes Untier verwandeln konnte? Die ganze Story.

I don´t like Mondays…

Es begann ganz klassisch, Montag Morgen. Allein das reichte bereits aus, meinen Guten-Laune-Pegel maßgeblich zu senken. Der Wecker klingelte und läutete somit eine weitere Woche in der ewig andauernden Salzmiene ein. Aber gut, durchatmen und mit einem Lächeln in den Tag starten. Vor dem Büro die erste Überraschung. Die Straße sollte endlich gemacht werden und der Bautrupp legte bereits los.

Was ich erst so wohlwollend aufnahm, entpuppte sich schon wenige Stunden später als echter Albtraum. Mit Presslufthammer ging es dem Asphalt an den Kragen und mir, nur drei Meter davon entfernt in einem kleinen stickigen Büro, ans Trommelfell.

Der neunstündige Arbeitstag endete mit gehörigen Kopfschmerzen, die mich bis in die eigenen vier Wände verfolgten. Dort lauerte bereits die nächste Überraschung auf mich. Im Treppenhaus begegnete mir der Nachbar, der direkt unter uns wohnte. Er schaute mich missmutig an und ich schüttelte nur den Kopf. Seit einem Monat beklagte er sich über den Lärm, der vermeintlich aus unserer Wohnung kam. Dass dieser Krach mitnichten von uns stammte, sondern von den neuen Mietern, die just in diesem Zeitraum über uns eingezogen waren, wollte er partout nicht glauben. Verständlich, auch wir waren schockiert, wie eine Familie derartigen Lärm anrichten konnte, mit dem sie sogar noch zwei Etagen darunter für gehörig viel Stress sorgten.

Dass es den Lärm aber erst seit dem Einzug der neuen Nachbarn gab und wir zudem zur „Tatzeit“ gar nicht im Haus, sondern schön brav in unseren Büros hockten, kümmerten den Herrn Unternachbarn wenig. Er ließ seinen Zorn ohne Umschweife an mir aus. Meine buddhistisch angehauchte Ruhe bekam kopfschmerzbedingt erste Risse.

Und täglich grüßt das Murmeltier!

Auch am nächsten Tag wartete bereits der Presslufthammer vor meinem Bürofenster und ich fragte mich, was aus dem Faulenzerruf der Bauarbeiter geworden ist. Diese hier kannten das Klischee wohl nicht, denn sie ackerten von 8 bis 4 beinahe non-stop und tracktierten dabei mein Nervenzentrum.

Schon deutlich angespannter verließ ich das Büro und der Reizpegel stieg weiter, als ich auf dem Weg durchs Treppenhaus schwere Schritte poltern hörte. Doch nur noch ein Schatten war hinter der Wohnungstür zu sehen, sodass ich meinen Weg ungehindert fortsetzen konnte. Besser für ihn, schoss es mir durch den Kopf. Oben angekommen, entdeckte ich an der Kühlschranktür eine Nachricht für mich.

„Müssen morgen einen Gurkensalat in die Kita bringen. Kümmerst du dich darum?“

Ich kehrte postwendend um, zog die Tür hinter mir zu und ignorierte das schmerzvolle Pochen hinter meinen Schläfen. Im Auto stellte ich fest, dass ich zunächst tanken müsste, wenn ich es bis zum Supermarkt schaffen wollte. Also bog ich in die entgegengesetzte Richtung, bremste an der roten Ampel und bemerkte durch einen unangenehmen Aufprall, dass der Autofahrer hinter mir weder die Ampel noch mich als Hindernis ernstgenommen hatte.

Entsetzt riss ich die Autotür auf. Auch der Fahrer, der so gerne unsere beiden Wagen zu einem verschmelzen wollte, stieg aus. Der Schreck stand ihm ins Gesicht geschrieben und meine Nerven lagen blank. Was tun? Nach einer kurzen Begutachtung, diversen Fotos aus allen erdenklichen Positionen und der Erkenntnis, dass meinem Wagen nichts passiert war, tauschten wir unsere Kontaktdaten und zogen unserer Wege. Mit Herzklopfen hielt ich an der Tanksäule und ging zur Kasse. Dort der nächste Schock – der Geldbeutel war weg. Kein Bargeld, keine Karte, nur viel Panik. Ich konnte die Ware ja wohl schlecht wieder zurückgeben. Während ich mein Auto auf den Kopf stellte, bildete sich hinter mir eine beachtliche Schlange. Mein Puls hatte sich noch von dem Auffahrunfall nicht erholt und legte jetzt noch eine Schippe drauf. Doch der freundliche Tankwart beruhigte mich und schickte mich samt Auto nach Hause Geld holen.

Dort bemerkte ich bereits von der Straße aus, wie mich der Nachbar verstohlen aus dem Küchenfenster beobachtete. Ich sprintete hoch, holte den Notgroschen, der nun endlich mal seinen Namen verdient hatte, aus der Suppenschüssel, flog die alte Wendeltreppe wieder hinunter und raste zurück zur Tankstelle. Mein Herzschlag beruhigte sich, doch es fehlte immer noch die Gurke. Diese erhielt ich ohne weitere Vorkommnisse im Supermarkt.

Gurken schneiden für den Chinesischen Gurkensalat

Dem Ziel so nah… Gurkensalat (hier ein Rezept für Chinesischen Gurkensalat)

Im Auge des Sturms

Endlich zuhause angekommen, bemerkte ich, wie spät es eigentlich schon geworden war. Doch es war fast geschafft. Noch schnell der Salat, dann konnte ich müde ins Bett fallen. Ich stellte mich in die Küche und gerade als ich den Schäler ansetzte, hörte ich es. Das unrhythmische, metallische Klopfen. Was war das denn? Nach eingehender Prüfung stellte ich fest, es kam von der Heizung. Jemand schlug gegen die Heizungsrohre. Und wurde dabei immer lauter.

Ich konnte es nicht fassen. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Noch mit dem tropfenden Gurkenschäler in der Hand stürmte ich aus der Wohnungstür und klingelte beim Nachbarn unter uns Sturm. Dieser öffnete die Tür ruckartig und auch aus seinen Augen funkelte es irre wie bei einem zornigen Bullen.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass ich knappe 1,50 m klein mit meiner rosa Haushose vor diesem riesigen 2-Meter-Hühnen stand, der sich des nachts als Nachtclub-Türsteher verdiente.

Doch das war mir jetzt alles egal. Wie ein aufgeschreckter Rohrspatz fuchtelte ich wild gestikulierend mit meiner Mordwaffe vor ihm herum. Dieser konterte ebenso laut, dass er sich meinen täglichen Krach nicht gefallen ließe und dafür eben nachts Krach machen würde. Ich war außer mir und ich weiß nicht, was passiert wäre, hätte nicht in diesem Moment mein Handy vibriert. Mit Adrenalin bis in die Haarspitzen und noch immer in meiner Wut gefangen, schaute ich auf den Bildschirm und entdeckte das Foto zweier Möwen, die friedlich im Ostseesand von Mecklenburg-Vorpommern hockten.

Ich ließ den Gurkenschäler sinken, mein Puls tat es ihm gleich. Der lärmende Türsteher interessierte mich nicht mehr. Ich ging zurück in meine Wohnung und setzte mich auf die Couch. Währenddessen kamen weitere Bilder.

Ostsee Warnemünde Endlich Ruhe

Die beruhigende Wirkung des Meeres legte sich wie ein Kissen auf die aufgewühlte Seele

Katharina verbrachte gerade die Tage in Mecklenburg Vorpommern. Die Seenplatte hatte sie bereits hinter sich gelassen, jetzt war sie in Warnemünde. Sie genoss die ersten Sonnenstrahlen, das Meer, die Natur und vor allem eines: die Ruhe!

Endlich Ruhe!

Keine Presslufthammer, keine Nachbarn, kein Lärm an Heizungsrohren – Was mir so langsam dämmerte, das wissen die Mecklenburger schon längst. Hier oben is Ruhe angesacht. Und das haben die jetzt auch dem Tourismsverband von MV ans Herz gelegt. Dabei sind diese witzigen Videos entstanden: Endlich Ruhe! Mit der Unterstützung von Komiker Olaf Schubert wird die Schönheit der Region ganz besonders und vor allem sehr humorvoll in Szene gesetzt. Und während ich dabei zusah, wie dem gestressten Großstädter das Smartphone aus der Jacke geangelt wurde, bevor es mit einem leisen Blubb in den Tiefen der Mecklenburgischen Seenplatte verschwand, verrauchte auch meine Wut allmählich.

Am nächsten Morgen wartete ich bereits mit gepackten Taschen und setzte meine werte Familie darüber in Kenntnis, dass wir jetzt sofort ans Meer aufbrechen müssen, #aufnachmv! Mein Ton ließ anscheinenend keine Wiederrede zu oder aber der Wahnsinn war noch nicht aus meinem Blick verschwunden, denn kurz darauf saßen wir bereits im Auto. Erst nach einer halben Stunde wagte der Herzmann einen ersten vorsichtigen Vorstoß und fragte ruhig, was denn mein Chef von diesem Spontanurlaub hält.

Das wird ihm nichts ausmachen, antwortete ich nüchtern.

Und falls doch, hielt ich bereits meinen Gurkenschäler im Handschuhfach bereit.

Hattet ihr auch schon mal so einen Endlich-Ruhe-Moment und welche Reiseziele verbindet ihr mit Entspannung, Erholung und ganz, ganz, ganz viel Ruhe? Schreibt es uns oder lasst euch von den Mecklenburgern unter #endlichruhe inspirieren!