Als ich vor ein paar Wochen mit meiner Freundin für 4 Tage nach Amsterdam gereist bin, hatten wir viele Pläne, wie unser Aufenthalt verlaufen sollte. Was sicherlich nicht dazugehörte, war krank auf Reisen zu werden beziehungsweise einen kleinen Unfall zu haben, der mit großen Schmerzen endete. Doch manchmal kommt eben alles anders als geplant…

Krankheit im Urlaub: Erholung sieht anders aus…

Durch Zufall bin ich auf die Blogparade von Jo von Work & Travel und Backpacking aufmerksam geworden. Dabei befasst sie sich mit dem Thema “Krank auf Reisen” und fragt andere Blogger nach ihren Erlebnissen und Tipps. Da habe ich mir gedacht, dass dieser Beitrag doch super dazu passt. Denn auch ich bin vor Krankheit nicht gefeit, selbst in der Urlaubszeit.

Unsere kleine Odyssee in Amsterdam

Am letzten Abend unseres Kurztrips nach Amsterdam hatten meine Freundin und ich geplant das Van Gogh Museum zu besuchen, nach all der Erholung ein gelungener Abschluss. Dort findet an jedem letzten Freitag im Monat nämlich ein spezielles Abendprogramm statt, “Vincent on Friday”. Wir waren gerade im Museum angekommen und freuten uns auf einen unterhaltsamen letzten Abend in der niederländischen Hauptstadt, als unser Reiseerlebnis ganz plötzlich eine sehr schmerzvolle Wendung für meine Freundin nahm.

Da meine Freundin diejenige mit der Tasche an diesem Abend war, gab ich ihr während wir so die Treppe hinunter stolzierten mein Ticket zurück, damit sie es wieder darin verstaute. Unten angekommen drehte ich mich zu meiner Freundin um, um ihr irgendetwas zu sagen, doch sie war verschwunden. Mein Blick fiel plötzlich nach unten auf den Boden und da saß meine Freundin mit schmerzverzerrtem Gesicht. Sie hatte eine Stufe übersehen und sich schwer den Fuß verknackst. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass eine Krankheit oder Verletzung im Urlaub echt bescheuert ist.

Ich half ihr auf und stütze sie, damit sie, auf einem Bein hüpfend, eine der wenigen Sitzbänke in dem Museum erreichen konnte, um dem Fuß erst einmal ein wenig Ruhe zu gönnen. Manchmal hat man ja “Glück” und der Fuß ist nur leicht verknackst und der Schmerz geht nach einer Weile wieder weg… nicht so bei meiner Freundin. Der Schmerz wurde eher noch heftiger, also machte ich mich auf, um irgendwo in dem Museum ein Icepack zu besorgen, um den Fuß zu kühlen und ihm etwas Erholung zu gönnen.

Anscheinend gab es kein Icepack im gesamten Museum, jedoch wurde mir von einer Mitarbeiterin gesagt, ich solle ins Museumsrestaurant gehen, da würde ich Eis bekommen. Tatsächlich kehrte ich nach ein paar Minuten mit einem Geschirrtuch voll Eis zu meiner Freundin zurück, die noch immer gegen den Schmerz ankämpfte. Irgendwie haben wir dann ganz vorsichtig ihren Schuh ausbekommen, sodass meine Freundin das Eis direkt auf den Fuß auflegen konnte.

Mr. Fix-it!

Noch immer wurde der Schmerz nicht besser, also machte ich mich auf zum Infostand, um eine Stoffbinde zu holen. Damit wollten wir den Fuß stabilisieren. Leider kehrte ich dann ohne Stoffbinde aber mit einem Security Mann im Schlepptau zu meiner Freundin zurück. Der Mann machte einige Durchsagen in sein Walkie-Talkie und versicherte mir: “I’ll fix it.” (Ich werde das in Ordnung bringen.)

Da wir bereits Eis hatten, konnte der Security Mann erstmal auch nicht mehr tun, als noch einen Hocker heran zu holen und das Bein meiner Freundin vorsichtig darauf abzulegen. Danach verließ er uns direkt schon wieder mit den Worten: “Take care!” (Pass auf dich auf.) und der Anweisung das Bein erstmal 10 Minuten auf dem Hocken ruhen zu lassen.

Unser letzter Abend in Amsterdam nimmt eine schmerzvolle Wendung für meine Freundin.

Unser letzter Abend in Amsterdam nimmt eine schmerzvolle Wendung für meine Freundin.

Nachdem die 10 Minuten um waren und danach auch 15 und 20 Minuten, fragten wir uns, ob der Security Mann irgendwann noch mal wieder kommt. Er wollte sich doch um die Situation kümmern. Doch er kam nicht. Also machte ich mich erneut auf zum Infostand, um dort zu fragen, ob jemand den Notarzt rufen könnte, denn meine Freundin konnte mit dem Fuß definitiv nicht auftreten.

Nun ist es wohl so, dass es in Amsterdam am Wochenende und außerhalb der Geschäftszeiten nur eine Nummer gibt, die man im Notfall anrufen kann. Die war anscheinend dauerbesetzt. Die nette Dame an der Info hat ihr Bestes gegeben und versuchte immer wieder zur Notrufzentrale durchzukommen, doch da war einfach nichts zu machen. Schließlich empfahl sie uns einfach selbst zum Krankenhaus zu fahren. Meine Freundin wollte nämlich sichergehen, dass nichts gebrochen ist.

Auf geht’s ins Krankenhaus!

Außerhalb des Museums sollte es eine Tramstation geben, die direkt vor die Notaufnahme fuhr. Nur leider war die Haltestelle nicht so nah dran, wie wir sie gerne gehabt hätten. Wieder stütze ich meine Freundin so gut es ging, während sie versuchte auf einem Bein zu hüpfen, doch weit kamen wir nicht, denn durch die Schmerzen, die Anstrengung und die Tatsache das wir kein Abendessen hatten, war meine Freundin völlig entkräftet.

Plötzlich sahen wir nicht weit von uns entfernt zwei junge Damen mit einem Fahrrad an uns vorbeilaufen. Da kam mir die Idee. Ich steuerte auf die beiden zu und fragte sie, ob ich mir ihr Fahrrad ausleihen könnte, damit ich meine Freundin den Rest des Weges bis zur Haltestelle rollen könnte. Letztendlich sind wir jedoch nicht bis zur Haltestelle gerollt, sondern bis zu einer anderen Straßenecke, wo uns eine der netten jungen Damen ein Taxi anhielt, welches uns auf direktem Wege ins Krankenhaus bis vor die Notaufnahme fuhr, wo sich zwei Krankenpfleger und zwei Polizisten in aller Seelenruhe unterhielten.

Anstatt uns zu helfen, fragte einer der Pfleger lediglich: “Alles goed?” (Alles gut?”). Natürlich! Wir sind hier nur vor einer Notaufnahme, wo eine junge Frau auf einem Bein hüpfend aus einem Taxi steigt, während eine andere sie stützt. Alles fein, erzählt ruhig weiter…

Als wir jedoch die Notaufnahme betraten, reagierte einer der dortigen Mitarbeiter blitzschnell und brachte uns einen Rollstuhl. Einen Rollstuhl, den wir schon im Museum hätten bekommen können, wie wir hinterher im Prospekt gelesen haben. Das hätte meiner Freundin einiges an Anstrengung erspart. Damit hätten wir zumindest bis zur Tramhaltestelle rollen können.

Nun heißt es warten…

Mittlerweile war es schon gegen 21 Uhr. Nach etwa 30 Minuten nahm uns eine Krankenschwester in Empfang und gab meiner Freundin endlich erst einmal ein Schmerzmittel. Danach kam sie direkt zum Röntgen, doch dann ging alles wieder etwas langsamer. Nach gut 1,5 Stunden wurde der Fuß von einem Doktor begutachtet. Gebrochen war zum Glück nichts, aber die Bänder wären wohl gezerrt oder angerissen. Genaueres konnten sie anhand der Schwellung am Fuß nicht sagen.

Letztendlich bekam meine Freundin einen Stützstrumpf und Krücken sowie eine saftige Rechnung. Denn obwohl sie eine Auslandskrankenversicherung für Europa hatte, muss man in den Niederlanden anscheinend in Vorkasse gehen. Die Krücken kann man normalerweise für ein paar Tage leihen, doch da dies unser letzter Abend war, musste meine Freundin die Krücken auch noch kaufen. Krank auf Reisen zu werden ist definitiv nicht günstig.

Für den Rückweg zu unserer Unterkunft haben wir wieder ein Taxi genommen, denn wir wollten nur noch ins Bett. Am nächsten Tag hätten wir eigentlich um 11 Uhr aus unserem Zimmer gemusst. Doch wir hatten Glück, denn unser Bus zurück nach Hause ging erst 22 Uhr. Das Zimmer war erst wieder ab abends gebucht und unser Vermieter hatte super viel Verständnis für unsere Situation. Ich hatte ihm noch am Vorabend geschrieben und diese erklärt. Letztendlich durften wir bis 17:00 Uhr auf dem Zimmer bleiben und haben dann den Weg zum Bahnhof Sloterdijk angetreten.

Zum Glück waren wir zu zweit, denn so konnte ich noch den Rucksack und den Koffer meiner Freundin nehmen, während sie sich mit den Krücken abmühte. Jeder, der schon einmal mit Krücken gelaufen ist, weiß wie anstrengend das ist. Von der Erholung der letzten Tage war zwar nicht mehr viel übrig, aber dafür wissen wir jetzt, wie man mit Krankheit oder Verletzungen auf Reisen umgeht.

Krank auf Reisen – welche Lehren ziehen wir daraus?

  1. Wenn es eine Treppe und eine Rolltreppe gibt, nehmt immer die Rolltreppe ;-)
  2. Fragt direkt nach, ob es einen Rollstuhl im Gebäude gibt.
  3. Seid kreativ und spontan, um aus einer ungünstigen Situation herauszukommen.
  4. Bleibt ruhig, denn durchdrehen bringt niemandem etwas, am wenigsten euch selbst.
  5. Es ist definitiv von Vorteil, wenn man zu zweit reist.
  6. Kommunikation ist alles!