Den großen Traum von der Freiheit beim Reisen erfüllen sich zahllose Weltenbummler jedes Jahr mit einem Wohnmobil. Hinfahren wo und wann man will, spontan an wunderschönen Orten übernachten und zu jeder Zeit weiterziehen können – oder eben nicht, wenn es besonders idyllisch ist. Doch wie sieht diese Vogelfreiheit im Wohnmobil mit Kindern aus? Funktioniert das auch?

Endlich zu viert – Wie verreisen wir jetzt?

Im Januar war es endlich so weit, wir durften unser neuestes Familienmitglied begrüßen und sind nun eine glückliche, vierköpfige Familie – der Klassiker eben. Nachdem wir uns an den neuen Familienrhythmus gewöhnt haben, steht nun die nächste wichtige Familienfrage im Raum: Wohin, wie und womit möchten wir in diesem Jahr verreisen?

Da wir schon eine sechsjährige Tochter haben, sind wir auch keine blutigen Anfänger mehr, was das Reisen mit Kind betrifft. Mit Auto sind wir schon gemeinsam in den nördlichsten Norden Dänemarks gefahren als unsere “Kleine” zwei Jahre alt war. Im letzten Jahr sind wir mit ihr nach Malta geflogen, haben uns dort von den maltesischen Buchten und Lagunen verzaubern lassen und die Schwesterninsel Gozo bereist. 

Auf eine Flugreise möchten wir in diesem Jahr noch verzichten und einfach nur tagelang in einem Hotel festsitzen, ist eh nicht unser Reisestil. Der Familienrat denkt nun über eine ansprechende Alternative nach. Folgende Punkte sind uns dabei besonders wichtig:

  • Flexibilität
  • Freiheit
  • Individualität
  • Kinderfreundlich

So kamen wir schließlich zur Idee mit dem Wohnmobil. Die Vorzüge liegen ja auf der Hand. Wir können flexibel und spontan dorthin fahren, wo es uns gefällt. Wir müssen uns an keine Abfahrtszeiten halten und können ganz frei entscheiden, wann es losgeht. Dauert es also beim Frühstück etwas länger, weil die Große mal wieder ewig an ihrem Toast sitzt, ist das kein Drama, wir verpassen kein Flugzeug, können uns entspannt zurücklehnen und dann losfahren, wenn alle fertig sind. Die ersten drei Faktoren Flexibilität, Freiheit und Individualität wären somit also erfüllt. Doch wie steht es mit der Kinderfreundlichkeit?

Wohnmobil mit Kindern: Vor- und Nachteile

Um eine Entscheidung zu treffen, helfen mir Listen. Ich habe gerne die Fakten vor Augen. So auch bei der Frage, ob sich ein Wohnmobil für eine Familienreise eignet oder eben nicht. Hier unsere Vor- und Nachteile:

Nachteile:

  • Viel Mensch auf engem Raum: Wer sich für eine Reise mit dem Wohnmobil entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass auch die größten Fahrzeuge irgendwann an ihre Grenzen stoßen und es eben nicht unendlich viel Platz gibt. Man sollte sich also wirklich gut verstehen, Verständnis haben für die Macken und Launen seiner liebsten Familienmitglieder und kein Problem damit haben, dass man eben nicht einfach die Tür hinter den anderen schließen kann. So eine Reise ist dann auch sehr intim und kuschelig. Da unsere Töchter allerdings “erst” sechs Jahre und zwei Monate alt sind, gehen wir das Risiko noch gerne ein. Wer weiß wie das aussieht, wenn wir es erst einmal mit zwei ausgewachsenen Teenie-Girls zu tun haben…
  • Money, Money, Money…: Wer glaubt, eine Wohnmobilreise ist besonders günstig, der kann sich ganz schön irren. Je nachdem, wie groß das Fahrzeug ist, welche Ausstattung es mitbringt und wie viele Personen mitreisen, hält so eine Reise preislich locker mit einer Flugreise mit.
  • Viel Eigeninitiative, wenig Luxus: Eine Reise mit dem Wohnmobil ist ein Abenteuer. Campingplätze, Grillabende und Schlafen unter dem Sternenhimmel. Das ist alles wunderbar und hat einen herrlich rustikalen Charme. Doch ein Wellnessurlaub ist das nicht. Es gibt keinen Zimmerservice, niemand macht die Betten oder tauscht Handtücher aus. Ganz im Gegenteil. Man muss sich um alles selbst kümmern, auch um das Leeren der Toilettentanks…

Vorteile:

  • Abenteuer für Groß und Klein: So eine Reise, immer der Straße entlang, ist doch ein gewaltiges Abenteuer für eine Familie und auch nochmal was ganz anderes als mit dem Auto.  Wer weiß schon, was morgen kommt und was wir dann alles erleben werden? Der Weg ist das Ziel!
  • Lernerlebnisse in der Natur: Ein Campingplatz ist ja schon ein Ereignis für sich, doch auch Übernachtungen in der Natur sind mancherorts erlaubt. Wie sonst kommt man der Natur so nah? Und was es da alles zu entdecken gibt. Tiere, Pflanzen, völlig neue Geräusche, die sich tags und nachts unterscheiden. Hier wird das Lernen zum Vergnügen und der Forscherdrang so richtig gefördert.
  • Genug Stauraum: Ganz ehrlich, die Zeiten, in denen ich allein mit einem winzigen Rucksack durch die Weltgeschichte reisen konnte, sind doch nun vorbei. Ich komme zwar immer noch sehr gut mit wenig aus, aber etwas mehr als eine Zahnbürste darf es inzwischen doch sein. Immerhin bin ich auch nicht mehr allein. Mann, Kind und Baby brauchen auch ihren Platz – und gerade letzteres vermutlich am meisten. Kinderwagen, Fläschchen, Regenausstattung – das muss nun auch alles mit. Auf unserer langen Reise nach Dänemark haben wir gerade so alles ins Auto bekommen. Doch jetzt sind wir zu viert und der Stauraum in einem Wohnmobil ist da genau das richtige für uns. 
  • Bedürfnisorientiert: Ich mag auch ab und zu mal ein Hotel, vor allem, wenn ich mich verwöhnen lassen möchte. Gerade als Mama ist es schon herrlich, wenn man sich einfach an einem wunderbaren Frühstücksbuffet bedienen kann, statt selbst schon morgens am Ofen stehen zu müssen. Allerdings ist man dort auch wieder sehr gebunden. Frühstück von 8 bis 10 Uhr? Ungünstig, wir sind ab 6 Uhr alle munter, dafür sorgt unser jüngstes Familienmitglied und dann sollen wir bis 8 Uhr durchhalten, bis es etwas in den Magen gibt? Das geht nicht und ist ein schlechter Start in den Tag. Im Wohnmobil sind wir unser eigener Herr und entscheiden selbst, wann wir frühstücken, an den Strand gehen, einen Einkaufsbummel machen oder einfach nur faulenzen wollen. Wir können ganz nach Bedarf entscheiden und so sollte es im Urlaub auch sein.
  • Intensive Familienzeit: Auch wir müssen uns eingestehen, dass uns der Alltag oft viel zu sehr im Griff hat. Es gibt Zeiten, da müssen wir einfach funktionieren und das gilt (leider) sogar schon für die Kinder. Arbeit, Schule, Haushalt, Pflichten… All das lässt uns manchmal vergessen, dass es doch einfach nur schön ist, wenn wir alle zusammen sein können. Von der Reise im Wohnmobil versprechen wir uns, dass wir diese vor allem als Familie erleben und genießen können.
  • Kontaktfreudig: Als ich den Jakobsweg gelaufen bin, habe ich erlebt, wie Menschen aufeinander zugehen können. Einfach so, ohne Zwang, ohne Druck, ohne Hintergedanken. Das Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion oder sonstige Faktoren spielten überhaupt keine Rolle. Uns alle vereinte das Pilgern. Wir erkannten uns an den geschundenen Füßen und dem Sonnenbrand, den man als Pilger auf dem nordspanischen Jakobsweg nur auf der rechten Körperseite hat. Es war selbstverständlich, dass man sich einfach ansprechen, nach einer Orange oder einem Blasenpflaster fragen konnte. Wir waren eine Gemeinschaft. Eine ähnliche Mentalität herrscht auch auf Campingplätzen und unter Reisenden, die mit Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs sind und genau darauf freue ich mich. So lernt man am besten neue Leute kennen. Auch für unsere Tochter wird es ein großer Spaß sein, auf andere Kinder zu treffen.

Wie kommen wir an ein Wohnmobil?

Das Ob hatten wir somit schnell geklärt. Die Vorteile überwiegen einfach und es lohnt sich, diese Reiseart wenigstens einmal auszuprobieren. Nun mussten wir nur noch klären, wie.

  • kaufen?
  • leihen?
  • mieten?

Natürlich kann man sich ein Wohnmobil kaufen, doch das machen sicher die wenigsten. Erstens ist der Preis ziemlich hoch und zweitens nutzt man es ja dann doch nur für ein paar Wochen im Jahr. Den Rest der Zeit würde das arme Vehikel dazu verdammt sein, in irgendeiner Garage zu stehen. 

Dann gäbe es auch sicher die Möglichkeit, sich ein Wohnmobil von Freunden zu leihen. Das ist garantiert die günstigste Variante. In diesem Fall muss aber unbedingt vorab geklärt werden, was im Schadensfall passiert, wie das Fahrzeug versichert ist und ob überhaupt jeder damit fahren kann. Diese Fragen sollten auf jeden Fall VOR Reiseantritt besprochen werden und nicht erst, wenn man versehentlich gegen eine Laterne geschrammt ist. Sonst ist es schneller vorbei mit der Freundschaft, als man denkt.

Die wohl sinnvollste Variante ist es, das Wohnmobil zu mieten. Wir möchten keins kaufen und kennen auch niemanden, von dem wir eins leihen können. Außerdem ist es kinderleicht, ein entsprechendes Fahrzeug zu mieten – selbst online. Es gibt verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Angeboten. Als besonders sinnvoll empfinde ich das Konzept von campanda.de. Die Seite funktioniert wie eine Suchmaschine für Wohnwagen und Wohnmobile. Man gibt ein paar Eckdaten, wie Reisezeitraum, Abholort, Reiseteilnehmer usw. ein, und schon spuckt die Suchmaschine passende Fahrzeuge aus, die man dann bequem online mieten kann. 

Dürfen wir überhaupt ein Wohnmobil fahren?

Bevor du nun gleich dein Lieblingswohnmobil orderst, stell sicher, dass du dieses auch fahren kannst und darfst. Dass du einen Führerschein brauchst, ist natürlich selbstverständlich. Mit dem normalen B-Klasse-Führerschein darf man in Deutschland Fahrzeuge mit eine Gesamtgewicht von 3.500 kg fahren. Ist das Wohnmobil schwerer, wird ein Führerschein der Klasse C1 verlangt. 

Wie plant man eine Route mit dem Wohnmobil?

Das schöne an dieser Reiseart ist die Freiheit überall hinzufahren, wo man hin möchte. Dies bedeutet allerdings nicht, völlig planlos die Straßen unsicher zu machen. Außerdem macht es riesigen Spaß, sich bereits vor der Reise eine ganz individuelle Reiseroute zusammenzustellen. Es gibt viele tolle Reiseführer extra für Camper oder man nutzt z.B. den Online-Routenplaner des ADAC – die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und für jeden ist das richtige dabei.

Die Reiseart für die kommende Reisesaison wäre somit also geklärt und alle Familienmitglieder sind damit einverstanden – zumindest die, die schon ein Stimmrecht haben. Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen: Fahren wir nach Norden, Süden, Osten oder Westen?