Nachdem mir Christin ein paar echt coole Ecken von Berlin gezeigt hat, habe ich mich schweren Spatzenherzens wieder auf den Heimflug in Richtung Leipzig aufgemacht. Zwischen all den Betonblöcken fiel mir jedoch plötzlich eine riesige grüne Freifläche auf, also steuerte ich darauf zu. Da gab es sogar eine Landebahn für mich, auf der ich erst mal eine perfekte Landung ablegte, trotz der vielen Hindernisse. Das Rollfeld war voller Menschen! Das musste ich mir erst einmal genauer anschauen.

Erholungsreise mitten in Berlin?

Was wollten die ganzen Leute nur hier und wo genau befand ich mich eigentlich? Ich muss ziemlich hilflos ausgesehen haben, denn es dauerte nicht lange bis mich zwei nette junge Leute namens Giselle und Chiahua fragten, ob sie mir irgendwie helfen könnten. Giselle kommt ursprünglich aus Auckland in Neuseeland und hat Deutschland vor 3 Jahren zu ihrer Wahlheimat gemacht. Das kommt mir irgendwie bekannt vor, stamme ich doch selbst aus Jamaika und habe jetzt mein Basislager in Leipzig. Auch Giselle hatte Fernweh und hat sich letztendlich für Deutschland entschieden, weil sie von diesem Land noch nichts wusste und das schleunigst ändern wollte.

Chiahua kommt aus Taiwan und recherchiert in Berlin gerade für seine Dissertation zum Thema Kultur und Tourismus. Vor etwa 2 Jahren hat er in Magdeburg ein Auslandssemester gemacht und ist in dieser Zeit viel gereist. Dabei hat er sich in Berlin verliebt. Noch so ein Kandidat mit Fernweh. Diese Krankheit hat sich in der ganzen Welt ausgebreitet, eine echte Pandemie.

Meine neuen Freunde Chiahua und Giselle :-)

Meine neuen Freunde, Chiahua und Giselle 🙂

„Wo bin ich denn hier eigentlich gelandet?“

Die beiden erklärten mir, dass ich mich auf dem Tempelhofer Feld befinde, einem ehemaligen Flughafen, der zwischen 1923 und 2008 in Betrieb war und voller Geschichte steckt. Er liegt zum größten Teil im Stadtteil Berlin-Tempelhof, ein kleiner Teil gehört jedoch auch zu Neukölln. Da mich die Geschichte der Regionen die ich Besuche immer sehr interessiert, habe ich etwas nachgehakt.

Anscheinend gewann dieser Flughafen nach dem Ende des 2. Weltkrieges, genauer zwischen 1948 und 1949 an großer Bedeutung, als Berlin, wie der Rest von Deutschland, von den vier Großmächten (USA, Großbritannien, Russland und Frankreich) besetzt war. Er diente als Luftbrücke und versorgte die Stadt mit Verpflegung und anderen Gütern, da die Straßen- und Eisenbahnverbindungen von den West-Alliierten nach West-Berlin durch die sowjetische Besatzungsmacht gesperrt waren. Die Luftbrücke wurde schließlich 1949 offiziell beendet.

Seit 2010 ist das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich und wird als Naherholungs- sowie Freizeitgebiet genutzt. Gerade bei so tollem Wetter wie heute tummeln sich die Menschen hier geradezu.

Da sind lauter Menschen auf dem Rollfeld. Was hat das nur zu bedeuten?

Da sind lauter Menschen auf dem Rollfeld. Was hat das nur zu bedeuten?

Wer das riesige Gelände erkunden will, hat die Möglichkeit dies zu Fuß zu tun oder sich dafür am Eingang verschiedene Fahrzeuge auszuleihen. Darunter sind Segways, Fahrräder, Roller und Mini-Autos für Kinder. Echt toll. Diesmal kann ich allerdings noch widerstehen. Wer weiß, wie es beim nächsten Mal aussieht, wenn ich hierher zurückkehre.

Hier kann man sogar Segways und andere Fahrzeuge ausleihen.

Hier kann man sogar Segways und andere Fahrzeuge ausleihen.

Überall findet man solch niedliche kleine Oasen, wie die hier in dem Bild. Der perfekte Ort, um sich mit seinen Freunden zu treffen und einen Plausch abzuhalten oder vielleicht auch um ein Picknick zu veranstalten. Hauptsache raus an die frische Luft. Bei dem Wetter muss man echt nicht in seiner Bude bleiben, vor allem wenn man solch ein kleines Idyll vor der Haustür vorfindet.

Hier findet jeder ein gemütliches Plätzchen.

Hier findet jeder ein gemütliches Plätzchen.

Da der Wind recht kräftig wehte, haben viele Leute ihre Drachen mitgebracht und steigen lassen. Dabei hat es mir ein Drache ganz besonders angetan. Was zuerst wie vier verschiedene Drachen aussah, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als ein einziger. Da mussten sicher mehrere Leute mit anfassen, sonst wird man da ja weggeweht. Einige haben sich hier sichtlich abgemüht. Dabei soll das ganze doch vor allem Spaß machen.

Hier lassen viele Leute ihre Drachen steigen.

Hier lassen viele Leute ihre Drachen steigen.

Ganz entspannt sah es wiederum ein Stückchen weiter die Landebahn hinunter aus, denn da saßen viele Leute in kleinen Gruppen zusammen und haben sich die Sonne auf die Federn, eh ich meine Haut scheinen lassen. Die wissen, wie man es sich gut gehen lässt. Ob die wohl auch Fernweh haben?

Fernweh? Oh ja, da war ja was. Als ich meinen Rückflug angetreten bin, hat mich das Fernweh sofort wieder gepackt und in den paar Minuten Flug die es gedauert hat hierher zu kommen, schwirrten mir schon wieder zig Reiseziele durch den Kopf, die ich demnächst unbedingt aufsuchen muss. Bei dem tollen Wetter, mit all den Menschen, vor allem mit meinen netten Begleitern Giselle und Chiahua, hat sich mein Fernweh einfach in Luft aufgelöst.

Hier ist echt was los, naja, bei dem tollen Wetter.

Hier ist echt was los, naja, bei dem tollen Wetter.

Neben all den Drachenbändigern entdeckte ich auf dem Rollfeld übrigens auch zahlreiche Skateboarder, Inline-Skater, Windsurfer, Jogger, Radfahrer, Skiker oder einfach nur Spaziergänger. Jeder hatte Spaß und konnte seinem Hobby nachgehen. Genau so soll es sein. 🙂

Skaten auf dem Rollfeld

Skaten auf dem Rollfeld

Was es hier wohl noch alles zu entdecken gibt?

Als wir irgendwann am Ende des Rollfeldes ankamen, steuerten Giselle und Chiahua direkt auf eine kleine Gartenanlage zu. Momentchen mal, was? Das kann doch nicht richtig sein. Das muss ich mir mal genauer anschauen. Eine Gartenanlage mitten auf dem Flugplatz?

Oh wie toll, eine kleine Gartenanlage direkt neben dem Rollfeld.

Oh wie toll, eine kleine Gartenanlage direkt neben dem Rollfeld.

Tatsächlich. Da steht’s: Stadtteilgarten Schillerkiez. Das wird ja immer besser! Überall stehen Pflanzenkübel mit Blumen und Gemüse und dazwischen stehen Tische und Bänke, auf denen man es sich gemütlich machen kann. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen und habe erst mal Platz auf einer der Bänke genommen, um diese wundervolle Atmosphäre richtig wahrnehmen zu können. Ganz besonders fasziniert hat mich ja ein Regal in dem lauter verschiedene Bälle – Fußbälle, Volleybälle, Basketbälle, Handbälle – als Übertopf genommen wurden. Da war jemand richtig kreativ. Das finde ich unglaublich toll. Aber seht doch einfach selbst. Ich habe da mal ein kleines Album für euch zusammengestellt.

Stadtteilgarten Schillerkiez

Bevor ich nun endgültig meinen Heimflug angetreten bin, haben wir drei hübschen es uns noch einmal auf der Wiese gemütlich gemacht. Überall sah man wieder Grüppchen mit Freunden, die fröhlich erzählten oder grillten. Zur gleichen Zeit hat auch eine Theatergruppe ein kleines Stück aufgeführt. Das haben die gar nicht schlecht gemacht. Nachdem ich mich von Giselle und Chiahua gebührend verabschiedet hatte, machte ich mich also auf den Rückweg nach Leipzig. Und wieder schwirrten mir hunderte von Reisezielen durch den Kopf, die ich irgendwann besuchen will. Schwierig wird es nur bei der Entscheidung, wo ich zuerst hinreisen soll.

DSC01982

Noch mal etwas ausruhen vor dem Rückflug in die Heimat.

Fazit: Wie bereits in meinem letzten Beitrag gesagt, ich habe mein Herz an Berlin verloren. Die Stadt ist einfach der Wahnsinn. Ich komme auf jeden Fall wieder, das steht fest. Erst zeigt mir Christin all diese tollen Insider-Ecken von Berlin und dann entdecke ich auch noch dieses idyllische Fleckchen Erde inmitten dieses Großstadtdschungels. Ein herzliches Dankeschön an Giselle und Chiahua, dass ihr euch meiner angenommen und die paar Stunden mit mir auf dem Tempelhofer Feld verbracht habt. Bis zum nächsten Mal.

P.S.: Wenn ihr irgendwelche Vorschläge mit Reisezielen für mich habt, dann immer her damit. Wenn ihr mir sogar eure eigene Heimat zeigen wollt, umso besser. Ich freue mich auf viele tolle Vorschläge von euch, aber umso mehr, wenn ich euch persönlich kennenlernen darf. Schreibt mir einfach eine E-Mail oder hinterlasst mir einen Kommentar.